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 Psychogramm-Serie 
Zbigniew Menschinski


HC Strache - ein Psychogramm



Schmelz und Manna

Die Augen gen Himmel gerollt, die Hände beschwörend nach oben gereckt, - wie von dort das göttliche Manna erwartend - , so steht er am Rednerpult. Dann schweift der Blick leidend und schicksalstrunken über die Köpfe der Zuhörer hinweg in eine horizontlose Ferne. Die Stimme voller Schmelz, süsslich und weinerlich zugleich, badet das Publikum in Sentimentalität, um urplötzlich in ein Stakkato aus Verwünschungen gegen den politischen Gegner umzuschlagen.

Nicht von Adolf Hitler ist die Rede, sondern von HC Strache, dem Chef der FPÖ. Im Juni war wieder einmal auf deren Parteitag in der Hofburg die Inszenierung einer blauen Wagner- und Seifenoper zu erleben. Nüchtern blieb keiner der Delegierten. Kein Wunder bei so viel Pathos.

Anschauungsmaterial bietet unser Video.


Blaue Politik

Wie blaue Politik funktioniert, ist hinlänglich bekannt. Gegen Eurofighter wettern, sie anschliessend durchwinken und nebenbei Beraterhonorare von der Verkäuferfirma einstreichen. Über Schuldenmacher lamentieren, aber selbst eine Landesbank in die Milliarden-Pleite manövrieren. Von Patriotismus säuseln und Staatsbürgerschaften an die Meistbietenden von Bagdad bis Moskau verhökern.

Die Nazis hatten als Sozialtrommler die Gebrüder Strasser. Nach der Machtergreifung wurden die beiden samt sozialer Maske fallengelassen. Die wahren Ziele der Nazis kamen nun völlig ungetarnt zum Vorschein: Demokratische Organisationen wurden zerschlagen, Rassismus und nationalistische Hetze wurden Staatsräson, ein Blockwartsystem aus Bespitzelung und Arbeitslagern wurde installiert.

Doch nicht von den Parallelen zwischen FPÖ und NSDAP soll hier die Rede sein. Es geht um ein Psychogramm – das von Heinz-Christian Strache.


Kindheit – Jugend – Neonazis

HC Strache wuchs unter schwierigen Umständen auf. Seine Mutter musste ihn allein erziehen, denn der Vater war als Künstler viel auf Reisen. Solche Verhältnisse sind nichts Ehrenrühriges. Willy Brandt erlebte eine ähnliche Kindheit, musste als unehelicher Sohn oft im Alleingang Schwierigkeiten meistern. Früh setzte er sich für soziale Ziele ein und stellte seine Politik später unter das Motto "Mehr Demokratie wagen". Alexander Mitscherlich hat in seinem Buch „Die vaterlose Gesellschaft“ den Werdegang der Kriegswaisen analysiert. Viele mussten als Heranwachsende selbständig Verantwortung übernehmen. Ein kollektives Schicksal damals.

Bei HC Strache lief das anders. Auch er wuchs vaterlos auf, doch mit 15 Jahren gerät er in rechtsextreme Kreise, wird Mitglied der schlagenden Wiener Schülerverbindung Vandalia. Statt sich auf die eigene Persönlichkeit zu besinnen, bleibt Strache ständig auf der Suche nach einem Ersatzvater, einer Führerfigur. Er findet sie zunächst in Gottfried Küssel, einem Neonazi und Holocaustleugner, dann in Norbert Burger, Begründer der 1988 wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verbotenen NDP. Strache verlobt sich 1989 mit seiner Tochter. Schliesslich wird Jörg Haider sein grosses Vorbild.

Mit 16 nimmt HC Strache an „nationalen“ Zeltlagern in Kärnten teil, die von Burschenschaftern organisiert werden, 1989/90 an Wehrsportübungen im Raum Sankt Veit an der Glan. Von Tarzan- und Tiborheftchen wechselt er zur Sigurd- und Landserlektüre, gerät in den Dunstkreis von Corpsstudenten.


Pubertät – never ending

"Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" sind ein höchst aufschlussreiches Stück österreichischer Literatur. Robert Musil beschreibt in diesem Roman, wie Pubertierende ein Netz aus Befehl und Gehorsam um einen ihnen ausgelieferten Mitschüler spinnen. Den Knaben Strache formen die Corps-Rituale aus Kommando und Subordination zu einem autoritären Charakter. Seine Visionen einer heilen und reinen Welt kondensieren zu einem Ritter- und Rettermythos; er sieht sich als Knappe, der seinen Dienst an der Seite unerschrockener Recken verrichtet.

Das ist auch heute noch die Welt des HC Strache. Nur dass er nun als Gralsritter der Tafelrunde vorsteht. Der FPÖ-Comic "Der blaue Planet" aus dem Jahr 2009 spiegelt sehr genau die Gefühlswelt und das Weltbild des HC Strache wider. Hier der furchtlose Held HC - dort das dräuende Böse.

Wirklich erwachsen wurde HC Strache nie. Er lebt in einer nicht endenwollenden Pubertät, agiert sie bis heute aus. Gefühlsduselei, Hysterie und Wortgeprassel sind bei ihm an der Tagesordnung. Sie wirken auf sachlich geeichte Naturen kindisch bis komisch. Doch täusche niemand sich über das zerstörerische Potential hinweg, das hinter dieser Attitüde steckt.


Dubiose Weltumarmung

Gerade das kritiklose Schwelgen in Gefühlen ist brandgefährlich, weil es sich von der Weltumarmung schlagartig in Hassgefühle gegen die anderen verwandeln kann. Saint-Just und Pol Pot sind warnende Beispiele aus der Geschichte.

Emotionalität allein ist nie ein Anzeichen für umfassende Empathiefähigkeit. Der Kriegsverbrecher Karadzic las mit Tränen in den Augen vor laufenden Kameras seine schwülstigen Gedichte vor, in der einen Hand seinen Poesieband, in der anderen die Maschinenpistole, während im Hintergrund seine Tschetniks auf die Menschen in Sarajevo feuerten. Es ist im übrigen kein Zufall, dass die FPÖ unter der Ägide HC Straches ein offizielles Freundschaftsband mit der Tschetnik-Nachfolgepartei des Tomislav Nikolic geknüpft hat.

Den Retter der Witwen und Waisen gibt Strache nur für die Seinen. Gegenüber der eigenen Andachtsgemeinde, den Bluts- und Bundesbrüdern ist er sentimental bis zum Weinkrampf. Gegenüber Andersdenkenden, Fremden ist er aggressiv, selbst wenn sie in Not sind. Am deutlichsten zeigt sich der paranoide Fremdenhass an Straches Haltung im Fall Arigona Zogaj.


Xenophobie und Selbsthass

In einem Interview mit der Zeitung ÖSTERREICH zum „Fall Arigona Zogaj“ kommt nicht nur Straches tief verwurzelte Xenophobie zum Vorschein, sondern auch die tiefere, versteckte Ursache für seine Aversion. Befragt nach Arigonas Vater, der - wie Straches Vater - die Familie verlassen hat, meint der FPÖ-Chef lakonisch: "Das mussten andere auch durchmachen." Strache spielt damit offensichtlich auf sein eigenes Schicksal an. Statt Verständnis entstand aus seiner Erfahrung des Verlassen-Werdens unter den Fittichen der Burschenschafter Gleichgültigkeit und Zynismus gegenüber Leidensgenossen.

Strache reagiert mit Abwehr gegen seine eigenen Verletzungen aus vaterlosen Tagen. Er will an die Vergangenheit nicht erinnert werden, denn er hasst heute seine damalige Schwäche und Ausgesetztheit. Er will die Schatten der Kindheit abstossen und meint unbewusst, damit könnte er die Demütigungen von damals ungeschehen machen.

Zu diesem Zweck lässt er sein Alter ego, alle heute - wie er damals - Ausgegrenzten büssen. Seine konkrete Verachtung gegenüber Arigona und ihrer Familie nährt sich aus Selbsthass. Ein Hass, der sich gegen die Situation richtet, in der er als Kind steckte. Statt mit Einfühlung reagiert er mit Abwehr. Denn würde er Mitgefühl zeigen, würde er das Wohlwollen seiner neuen Freunde verlieren, müsste er sich eingestehen, dass er heute permanent Verrat am Heinz-Christian von damals übt. Daher seine Übertreibungen, seine Hysterie, sein Hass.
Quelle: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Hoechste-Zeit-dass-Arigona-geht/677895


ÖVP und FPÖ

Während in der ÖVP vor allem Ahnungslosigkeit, Geiz und Berechnung jede Humanität zu ersticken drohen, pocht bei HC Strache die irrationale Furcht vor Unterwanderung und Überfremdung hinter den Schläfen, mehr noch aber die Angst vorm Erinnertwerden an dunkle Tage, vorm sozialen Ausgegrenztsein und die Scham für den Verrat an seinen Wurzeln. Inzwischen hat HC Strache Karriere gemacht, gehört er mit dazu, darf mitmarschieren, darf mittrinken auf dem "Olymp" der von ihm so sehr bewunderten Eliten. Dieses Privileg will er um keinen Preis verlieren.


Resonanzböden

Studien zeigen: Die Hälfte der FPÖ-Wähler sind Protestwähler, die andere Hälfte bildet den harten rechtsextremen Kern der FPÖ-Anhänger. Dieser Kern folgt den gleichen Gefühlsmustern wie ihre Führerfiguren. Tief eingefleischte Vorurteile, Ängste und Phobien vermischen sich zu einem Gefühlsbrei, der sich gegen alles wendet, was anders ist. Das lässt sich durch Argumente und politische Überzeugungsarbeit nicht verändern. Allenfalls langjährige Therapien oder ein radikaler Bruch in der Biographie können diese Seelenverkrustungen aufbrechen.


Rechtsradikale

Rechtsradikale brauchen, Rechtsradikale bieten schlichte Erklärungen. Ihre Leitfiguren bedienen vorgestanzte Ressentiments, ihre Führer suchen die Schuld bei Minderheiten, stempeln sie zu Sündenböcken. Damit erreichen sie nicht wenige in der Bevölkerung.

Jene, die selbst unter Phobien, irrationalen Ängsten und paranoiden Schüben leiden, waren immer schon von Demagogen fasziniert, ob von der funkelnden Bosheit eines Jörg Haider oder vom weinerlichen Gepolter eines HC Strache.


Nicht alles ist Psychologie

Ohne den Chef der Kronen-Zeitung, Hans Dichand, ohne die Zuwendungen aus rechten Kreisen der Wirtschaft wären Jörg Haider und HC Strache allerdings ein Randphänomen der österreichischen Geschichte geblieben.

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In loser Folge möchten wir in den nächsten Monaten aus dem psychologischen Blickwinkel Personen der österreichischen Spitzenpolitik näher beleuchten.


Geplant sind in dieser Reihe:
Maria Fekter
Alois Stöger
Josef Pröll
Wolfgang Schüssel
Rudolf Hundstorfer
Johannes Hahn
...




 KOMMENTARE 
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Strachlaberl am 5.10.2012 um 16:25:40:
Strache will nur kassieren und dann kommt sein unbändiger Ausländerhass dazu den er gegen Bezahlung ausleben darf.
Lügen wo es nur geht und man könnte wenn man ein bisschen intelligent ist, sie alle im internet ganz leicht entlarven.
Manche wollen es gar nicht und manche haben eben diese Intelligenz nicht.
Am besten reden lassen und sich ergötzen mit welchem Unsinn er wieder daher kommt.

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omg am 2.9.2012 um 14:15:15:
Ihren geistigen Ergüssen zufolge entnehme ich, dass es sich bei Ihnen wohl um einen Psychologie(Dauer)studenten handeln muss. Suchen Sie sich eine geregelte Arbeit und
verschonen Sie das Web mit Ihrem selbstauferlegten Naziwahn.

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mastaschmi am 2.9.2012 um 12:03:26:
einfach gut!

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sprachlos am 1.9.2012 um 18:30:01:
Selten so viel Bulls*** gelesen...

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grünalternativ am 1.9.2012 um 17:37:48:
Leiden Sie an Verfolgungswahn? Ich würde Ihnen dringend den Besuch bei einem Psychiater anraten, um ein Psychogramm Ihrerseits erstellen zu lassen. So viel Blasphemie in einem Text ist direkt schon beängstigend.

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Karo am 4.8.2012 um 16:03:05:
Kurze, nicht sämtliche Lebensumstände des Subjekts erfassende, aber eine (subj. empfunden) recht gute Analyse.
Ich erwarte gespannt Weitere, andere Politiker betreffend.
Karo aus Wien

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Karli am 28.7.2012 um 12:25:49:
Bitte, wann folgen die anderen Psychogramme???

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Lorenz am 26.7.2012 um 21:21:27:
Euer Video ist ganz schön heftig! Aber gut gemacht :-)

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